News-Blog

EU-Ökodesign-Verordnung seit Juli 2024 rechtskräftig

Mit der Veröffentlichung der sogenannten Ökodesign-Verordnung im europäischen Amtsblatt wurde es  offiziell: Seit Juli 2024 ist Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) in Kraft. Sie ist eine Verordnung und wird daher unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten wirksam.

Doch Anspruch und Realisierbarkeit liegen hier sehr weit auseinander. Die Verordnung erscheint als ein bürokratisches Ungetüm einer EU-Administration, die alles regeln möchte, ohne sich jedoch festlegen zu können. In 80 Artikeln, die sich in 13 Kapitel gegliedert auf 53 Seiten erstrecken, wird versucht die Gestaltung von Produkten jeder Art in ein statisches Nachhaltigkeitsmuster zu pressen. Die Kommission will festlegen, welchen Leistungsanforderungen ein Produkt zu erfüllen hat, alle Produkte sollen einen digitalen Produktpass erhalten (welche genau und in welcher Reihenfolge muss aber noch festgelegt werden), es müssen umfangreiche Informations-, Offenlegungsund Aufbewahrungsfristen erfüllt werden, bestimmte rücklaufenden Produkte dürfen nicht mehr vernichtet werden, öffentliche Aufträge sollen nur noch „umweltorientiert“ vergeben werden und weil man offensichtlich ahnt, dass alle diese weiteren Vorschriften vor allem kleine und mittelständische Unternehmen übermäßig belasten, sollen diese staatlich gefördert werden.

Alle, die sich in der Praxis mit Konzeption, Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb von Produkten in der Praxis beschäftigen, wissen, dass dieser Vorgaben sich so nicht umsetzen lassen werden. Vielmehr wird der Versuch, die tatsächlichen und maßgeblichen Faktoren bei der Produktentwicklung, nämlich Bedarf, Angebot, Nachfrage, Nutzen und Herstellkosten außer Kraft zu setzen, wesentliche Grundlagen unserer Wirtschaftsordnung beschädigen.

Hinzu kommt die aktuell völlige Unbestimmtheit der Verordnung. In der jetzt veröffentlichen Verordnung gibt es keinen, wirklich inhaltlich belastbaren Kern. Dieser soll in sogenannten delegierten Rechtsakten nach und nach erlassen werden. Für wen dann was, wann, wie wirksam und verpflichtend wird bleibt vollkommen ungewiss und so wird den Unternehmen eine Unsicherheit aufgebürdet, die letztlich zu weiterer Stagnation führen wird.

Das berechtigte Anliegen, nachhaltigen Aspekte in der Produktgestaltung stärker zu berücksichtigen, wird so deskreditiert, da ein solcher Masterplan für die Gestaltung von Produkten unrealistisch ist und nur symbolpolitisch wirkt. Und er wird – falls er denn tatsächlich mit Leben gefüllt werden sollte – die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Wirtschaftraumes weiter reduzieren.

Wirksame Bemühungen zur Nachhaltigkeit können nur in realistischen und wirtschaftlich sinnvollen Perspektiven Erfolg haben!

Digitaler Produktpass (1): Warum Nachhaltigkeit und Daten Hand in Hand gehen

Oft wird im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit über die Erfordernisse eines erweiterten und besseren Datenaustausches gesprochen. Dies dokumentiert auch die Gesetzgebung der EU, wie z.B. in der sogenannten Ökodesign-Verordnung. Dort soll – neben Anforderungen an das nachhaltige Produktdesign – auch der digitale Produktpass für bestimmet Produktgruppen zwingend festgelegt werden.

Der Grund für diese Verbindung ist einfach: Viele Gegenstände verlieren ohne spezifische Informationen an Wert. So verlieren beispielsweise Kunstwerke oder Antiquitäten ohne Herkunftsnachweis automatisch an Wert, auch wenn sie noch so einzigartig und schön erscheinen mögen.

Bei der Kreislaufwirtschaft will man erreichen, dass der Wert der Produkte und eingesetzten Rohstoffe möglichst lange erhalten bleibt. Die Wahl des richtigen konstruktiven Aufbaus und passender Materialen sind hierfür die ersten Schritte. Genauso wichtig ist es aber auch, die Informationen über die Produkte zu dokumentieren und verfügbar zu machen. Diese ermöglichen dann eine effektive und werterhaltende Nutzung des Produkts, z.B. durch die Bereitstellungen von Informationen zum optimalen Gebrauch der Produkte, zu deren Reparatur oder auch zu deren richtigen Entsorgung.

Industrielle Produkte durchlaufen oftmals Wertschöpfungsketten mit zahlreichen Stationen. Daher müssen die Daten der Produkte auch entlang dieser Wertschöpfungskette weitergeben werden. Dies erfordert ein System, bei dem viele Akteure entlang des Wertschöpfungsprozesses ihre Daten einstellen und ergänzen können. Die Umsetzung in einem IT-System führt zum digitalen Produktpass.

Es gibt eine ganze Reihe von theoretischen Beschreibungen von Digitalen Produktpässen und inzwischen auch einige Ansätze zur praktischen Umsetzung. Die größte Herausforderung besteht bei der Bereitstellung und Aufbereitung der Daten sowie im Aufbau einer praktikablen Struktur zur Integration verschiedener Teilnehmer. Dieser – auch als Interoperabilität bezeichneter Aspekt – wird in der Umsetzung oft unterschätzt.

Wir unterstützen Sie bei der Umsetzung Ihres Digitalen Produktpasses und freuen uns auf Ihre Herausforderungen.
Nachhaltig, für Ihren Erfolg!

Digitaler Produktpass (2): Versus Product Storytelling

Digitale Produktpässe zielen darauf ab, den Wert von Produkten während ihres gesamten Lebenszyklus zu erhalten und eine vorzeitige Entwertung aufgrund von Wissensmangel zu verhindern. Die notwendigen Informationen basieren auf Daten, die während des gesamten Lebenszyklus des Produkts generiert werden. Dazu gehören Details darüber, wie ein Produkt aufgebaut ist, welche Materialien verwendet wurden und wie diese Materialien am besten wiederverwendet werden können, z. B. durch werterhaltendes Recycling. Das Sammeln und Weitergeben von Daten entlang der Wertschöpfungskette ist ein entscheidender Aspekt eines digitalen Produktpasses.

Unter Datenweitergabe versteht man in diesem Zusammenhang eine automatisierbare oder automatisierte Übertragung von Daten, die nahtlos in die Systeme der nachfolgenden Teilnehmer integriert und verarbeitet werden können. Der einfache elektronische Versand einer Word- oder PDF-Datei erfüllt dieses Kriterium nicht, da die Daten aus dem System des Absenders extrahiert und in das System des Empfängers wieder eingepflegt werden müssen. In diesem Fall ist zwar das Medium digitalisiert, nicht aber die Daten selbst.

Für eine solche automatisierungsfähige Weitergabe von Daten bedarf es bestimmter Voraussetzungen: Zunächst müssen die Objekte eindeutig gekennzeichnet sein. Das bedeutet man benötigt Idente (= eindeutige Kennzeichen) die konfliktfrei, über Unternehmensgrenzen hinweg, eingesetzt werden können. Hierzu gibt es einige Ansätze wie zum Beispiel UUID oder die von GS1 vergebenen Idente der GTIN, die bereits in breiter Anwendung zu finden sind. Weiterhin braucht man ein Datenmodell (also Attribute und Codes), welches die Objekte ausreichend beschreiben. Dabei ist es wichtig, dass die eingesetzten Daten für die nachfolgenden Nutzer verständlich sind. Das bedeutet, das Datenmodell muss zumindest allgemein bekannt, noch besser aber, standardisiert sein. Ein gemeinsames Protokoll, dass die Strukturierung der auszutauschenden Daten beschreibt, ist weiterhin wichtig, um so die Interpretation der ausgetauschten Dateien zu ermöglichen. Und schließlich benötigt man eine Infrastruktur, an der viele Netzwerkpunkte aktiv an dem Austausch der Daten teilnehmen können.

Um diese notwendigen Merkmale sicherstellen zu können, beschäftigen sich zahlreiche Initiativen und Projekte, wie z.B. Cirpass oder R-Cycle, mit der technischen Definition von digitalen Produktpässen.

Viele der heute als digitale Produktpässe präsentierten Lösungen genügen den beschriebenen Anforderungen nicht und sind eher dem Product Storytelling zuzuordnen. Dies ist dann der Fall, wenn z.B. die Informationen ausschließlich auf Daten der eigenen Systeme beruhen und weder die Ergänzung bzw. Weitergabe der Daten vorgesehen ist. Diese trotzdem oft als „digitaler Produktpass“ bezeichneten Anwendungen bieten dem Endnutzer zwar umfassende Informationen über das Produkt, erfüllen aber weder die oben beschriebenen Anforderungen noch die aufkommenden regulatorischen Anforderungen.

Sie wollen mehr über den digitalen Produktpass erfahren und wie Sie dieses Werkzeug nutzen können?

Wir unterstützen Sie bei der Umsetzung Ihres digitalen Produktpasses und freuen uns auf Ihre Herausforderungen.
Nachhaltig, für Ihren Erfolg!

Digitaler Produktpass (3): Herausforderung Geschäftsmodell oder warum der digitale Produktpass Mehrwerte schaffen muss

Der zunehmende Bedarf an Datenaustausch ist weithin diskutiert worden. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Diensten, die privaten Nutzern (B2C) angeboten werden, und den Bedürfnissen kommerzieller Nutzer (B2B). Im B2C-Bereich haben sich dominierende Anbieter wie Facebook, LinkedIn und TikTok herausgebildet. Diese Plattformen bieten in erster Linie „kostenlose“ Dienste an, die durch die Nutzung persönlicher Daten für Werbung oder durch zusätzliche kostenpflichtige Dienste bezahlt werden.

In der B2B-Welt ist die Situation völlig anders. Die hier verwendeten Daten stellen in der Regel wertvolles Unternehmens-Know-how dar und haben einen erheblichen Wert für das Unternehmen. Zudem sind „industrielle“ Daten weit weniger einheitlich strukturiert als B2C-Daten. So kann schon die Art und Weise, wie Daten erfasst werden, geschütztes Wissen darstellen. Aber auch hier steigt der Bedarf an Datenaustausch, getrieben durch Faktoren wie Automatisierung, Nachhaltigkeit, Vorschriften u.v.m.

In der Regel bedeutet Datenaustausch Aufwand für den, der Daten bereitstellt und Nutzen für den, der Daten erhält. Zusammen mit dem geschilderten Umstand, dass im B2B-Bereich die Daten als solches einen erheblichen Wert für das Unternehmen darstellen ergibt sich also die Frage: Wie soll daraus ein funktionierendes Eco-System entstehen, in dem für alle Beteiligten Nutzen generiert wird?

Hierfür gibt es mehrere Ansätze, wie z. B.:

  • Verbesserung des Nutzens der hergestellten Produkte durch Daten. Produkte können sich selbst verwalten, zugehörige Dienstleistungen können angeboten werden und ihr Lebenszyklus kann verfolgt werden.
  • Steigerung der Effizienz in der Fertigung durch die Weitergabe notwendiger Daten für nachfolgende Prozesse, wodurch der Aufwand für die Datenbereitstellung entlang der Wertschöpfungskette reduziert wird.
  • Entwicklung von Systemlösungen, die Daten anderer Hersteller integrieren und so die Schaffung eigener, datengetriebener Geschäftsmodelle ermöglichen.

Wir unterstützen Sie bei der Entwicklung und Umsetzung Ihres Geschäftsmodells mit digitalen Produktpässen und freuen uns auf Ihre Herausforderungen.
Nachhaltig, für Ihren Erfolg!

Adresse

Susphere
TEC Ingenieurdienstleistungen GmbH
Trinkbrunnenstraße 34
63322 Rödermark

 

Kontakt

Telefon: +49 6074 914866
E-mail: info@suspher.net

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.